Aktuell

In der jüngsten Ausgabe der Kulturwissenschaftlichen Zeitschrift bespricht Maria Klessmann den Sammelband „Border Complexities and Logics of Dis/Order“ (2024). Die kulturwissenschaftliche Grenzforscherin stellt die zentralen Argumente des Bandes vor und ordnet ihn in die aktuelle Debatte ein. Sie würdigt die Publikation als wichtigen Beitrag zur komplexitätsorientierten Grenzforschung und zugleich als überzeugende Kritik an politischen Diskursen, die Grenzen vereinfachen.

Die Jahreskonferenz der Association of Borderlands Studies steht in diesem Jahr im Zeichen eines Jubiläums. Unter dem Rahmenthema „Celebrating 50 Years of Border Studies“ kommen in Albuquerque (USA) Grenzforscher:innen aus aller Welt zusammen, um Bilanz zu ziehen und zukünftige Entwicklungen des Forschungsfeldes zu diskutieren. Christian Wille stellt auf der mehrtägigen Konferenz den Ansatz der Bordertexturen vor, der Grenzen als relationale und dynamische Gefüge kulturwissenschaftlich erschließt.

Die Rede von komplexen Grenzen ist in der Grenzforschung allgegenwärtig. Jedoch oft ohne zu klären, was damit analytisch gemeint ist. Im Podcast diskutieren D. Gerst und C. Wille, warum Grenzen nicht als stabile Linien verstanden werden können, sondern als relationale, emergente Ordnungen, deren Wirksamkeiten sich im dynamischen Zusammenspiel von Akteuren, Praktiken, Diskursen u. v. m. entfalten. Ein Podcast für Grenzforschende, die Komplexität nicht nur benennen, sondern ernst nehmen wollen.

Grenzen sind mehr als Linien auf Karten: Sie strukturieren Zugehörigkeiten, Machtverhältnisse und Alltagspraktiken. Die Tagung „Grenzsoziologie revisited“ von 26.-27.2.2026 im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen nimmt Grenzen als soziologischen Gegenstand neu in den Blick und untersucht seine kulturellen, symbolischen, materiellen sowie politischen Dimensionen. Auf dem Schlusspodium diskutiert C. Wille mit Fachkolleg:innen zu den Perspektiven einer neuen Grenzsoziologie.

Im neuen UniGR-CBS Working Paper adressieren C. Wille und Kollegen ein zentrales Defizit in der Bewertung grenzüberschreitender Kooperation und übertragen Konzepte der dynamischen Systemtheorie auf grenzüberschreitende Räume.  Ihr Ansatz ermöglicht eine vorausschauende, adaptive Steuerung grenzüberschreitender Programme, unterstützt den gezielten Ressourceneinsatz und macht Strukturwirkungen von Kooperation systematisch sichtbar.

Wille (2025): Vom Schengen-Spirit zum Border-Spirit. Beobachtungen aus Sicht der Grenzforschung. In: Brodowski, D. / Dittel, J. / Weber, F. (Hg.): 40 Jahre Schengener Übereinkommen. Europa und seine inneren Grenzen. Baden-Baden, Nomos, 149-175. mehr Info
Wille (2025): On the Reintroduction of Temporary Controls at EU Internal Borders. Developments and Challenges 40 Years After the Schengen Agreement. UniGR-CBS Working Paper 24. mehr Info
Wille, Christian (2025): Border(ing)s. A Border-Studies Perspective. Current Issues in Migration Research 2(1), 18-24. mehr Info
Fellner, Astrid M. / Wille, Christian (2025): Cultural Border Studies. In: Nesselhauf, Jonas / Weber, Florian (Hg.): Handbuch Kulturwissenschaftliche "Studies". Berlin, de Gruyter, 47-67. mehr Info
Wille, Christian (2024): Border Complexities. Outlines and Perspectives of a Complexity Shift in Border Studies. In: Wille/Leutloff-Grandits/Bretschneider/Grimm-Hamen/Wagner (Hg.): Border Complexities and Logics of Dis/Order. Baden-Baden, Nomos, 31-56. mehr Info
Wille, Christian (2021): Vom processual shift zum complexity shift: aktuelle analytische Trends der Grenzforschung. In: Gerst/Klessmann/Krämer (Hg.): Grenzforschung. Handbuch für Wissenschaft und Studium. Nomos, 106-120. mehr Info