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Am 14. Juni 1985 wurde in Schengen ein Abkommen unterzeichnet, das zu einem Symbol europäischer Integration werden sollte. 41 Jahre später stehen offene Grenzen jedoch zunehmend unter Druck. Anlässlich des Jubiläums beleuchtet C. Wille im Blog BorderObs, wie sich Grenzen in Europa verändert haben, welche Rolle die Covid-19-Pandemie dabei spielte und warum die schrittweise Normalisierung von Binnengrenzkontrollen eine zentrale Herausforderung für die Zukunft Schengens darstellt.

Die neue Folge im UniGR-CBS Podcast ON AIR gibt einen kompakten Einblick in die Cultural Border Studies und den Mehrwert kulturwissenschaftlicher Perspektiven in der Grenzforschung. A. Fellner, T. Schank und C. Wille diskutieren zentrale Konzepte und aktuelle Entwicklungen eines Forschungsfeldes, das Grenzen als dynamische kulturelle und soziale Ordnungen versteht – von Bordertextures über Literatur, Kunst und Film bis hin zu digitalen Grenztechnologien.

Im Mai kommen Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Praktiker:innen in Athen zusammen, um Grenzen als symbolische Ordnungen in Literatur, Kunst und Gesellschaft zu diskutieren. Die internationale Konferenz will kritische Zugänge zu gesellschaftlichen Grenzziehungen stärken und deren politisches Potenzial reflektieren. Christian Wille beteiligt sich mit einem Vortrag zu Epistemologien der kulturwissenschaftlichen Grenzforschung.

Grenzen gelten oft als eindeutige Linien. Die Grenzforschung dagegen spricht immer häufiger von Komplexität. Der neue Artikel „Rethinking Complexity in Border Studies“ zeigt, dass der Begriff in der wissenschaftlichen Debatte aber noch vage bleibt. C. Wille und D. Gerst entwickeln daher einen komplexitätsorientierten Ansatz und unterscheiden zwischen einer komplexen Ordnung der Grenze und ihrer emergenten Gestalt. Außerdem schlagen sie methodologische Prinzipien vor, mit denen Grenzen tatsächlich komplex gelesen werden können.

In der jüngsten Ausgabe der Kulturwissenschaftlichen Zeitschrift bespricht Maria Klessmann den Sammelband „Border Complexities and Logics of Dis/Order“ (2024). Die kulturwissenschaftliche Grenzforscherin stellt die zentralen Argumente des Bandes vor und ordnet ihn in die aktuelle Debatte ein. Sie würdigt die Publikation als wichtigen Beitrag zur komplexitätsorientierten Grenzforschung und zugleich als überzeugende Kritik an politischen Diskursen, die Grenzen vereinfachen.

Wille, Christian / Gerst, Dominik (2026): Rethinking Complexity in Border Studies. Journal of Borderlands Studies (online first). mehr Info
Wille (2025): Vom Schengen-Spirit zum Border-Spirit. Beobachtungen aus Sicht der Grenzforschung. In: Brodowski, D. / Dittel, J. / Weber, F. (Hg.): 40 Jahre Schengener Übereinkommen. Europa und seine inneren Grenzen. Baden-Baden, Nomos, 149-175. mehr Info
Wille (2025): On the Reintroduction of Temporary Controls at EU Internal Borders. Developments and Challenges 40 Years After the Schengen Agreement. UniGR-CBS Working Paper 24. mehr Info
Fellner, Astrid M. / Wille, Christian (2025): Cultural Border Studies. In: Nesselhauf, Jonas / Weber, Florian (Hg.): Handbuch Kulturwissenschaftliche "Studies". Berlin, de Gruyter, 47-67. mehr Info
Wille, Christian (2024): Border Complexities. Outlines and Perspectives of a Complexity Shift in Border Studies. In: Wille/Leutloff-Grandits/Bretschneider/Grimm-Hamen/Wagner (Hg.): Border Complexities and Logics of Dis/Order. Baden-Baden, Nomos, 31-56. mehr Info
Wille, Christian (2021): Vom processual shift zum complexity shift: aktuelle analytische Trends der Grenzforschung. In: Gerst/Klessmann/Krämer (Hg.): Grenzforschung. Handbuch für Wissenschaft und Studium. Nomos, 106-120. mehr Info